1. Der Quantensprung ins Ungewisse
Ein kalter Schauer lief Dr. Patrick Eisenstadt über den Rücken. Die kalte Luft, die durch die Klimaanlage strömte, trug nichts dazu bei. Es war ein Schauer der Beklemmung, der ihm Gänsehaut auf den Armen und Nacken bereitete.
Das Labor, in dem er seit Jahren als Leiter forschte, war normalerweise ein Ort der Stille und des konzentrierten Arbeitens. Die weißen Wände, steril und sauber, spiegelten das kalte Licht der Neonröhren wider. An den Tischen standen perfekt angeordnete Geräte, blinkende LEDs und summende Computer, die den monotonen Rhythmus der Forschung untermalten. Doch heute lag eine unheimliche Spannung in der Luft. Dr. Eisenstadt konnte es sich nicht erklären.
Es war nicht die übliche Anspannung vor einem wichtigen Experiment, das Dr. Eisenstadt kannte und mit der er umgehen konnte. Diese Spannung war anders. Sie war subtil, ein prickelndes Gefühl im Hinterkopf, ein leises Kribbeln in den Fingerspitzen, als würde Elektrizität in der Luft liegen.
Zwei Mal am Tag führte er hier Experimente durch, um mithilfe der Quantenwelt einen Blick in ein Paralleluniversum zu werfen. Bisher waren die Versuche aber ohne jegliche Ergebnisse verlaufen, Routine pur. Die gleichen Handgriffe, die gleichen Messungen, die gleichen frustrierenden Resultate. Doch heute war etwas anders.
Heute spürte Dr. Eisenstadt ein Kribbeln der Vorfreude, gepaart mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Was, wenn heute etwas passieren würde?
Werden wir heute den Durchbruch schaffen? Was, wenn der Schleier zwischen den Welten endlich gelüftet würde? Was, wenn er einen Blick in das Unbekannte erhaschen würde? Handelt es sich hier um eine Vorahnung, ein Vorbote aus einem anderen Universum?
Mit zitternden Händen schaltete er die Geräte ein und starrte auf die Monitore, die seine Messungen zeigten. Die Zahlen und Kurven tanzten vor seinen Augen, für den Laien ein unerklärliches Muster wie reiner Chaos. Doch dieses Mal war etwas anders. Ein winziger Ausschlag, eine kaum wahrnehmbare Abweichung von der Norm. War es ein Rauschen, ein Fehler in der Messung, oder war es mehr?
Dr. Eisenstadts Herz hämmerte in seiner Brust. Er starrte auf den Monitor, wie gebannt von der winzigen Anomalie. War es ein Zeichen? Eine Energie aus einer anderen Welt?
Mit angehaltenem Atem lehnte er sich vor, um die Daten genauer zu analysieren. Seine Finger flogen über die Tastatur, während er fieberhaft versuchte, die Bedeutung der Anomalie zu entschlüsseln.
Die Spannung im Labor war greifbar. Dr. Eisenstadt war nicht allein. Irgendjemand – oder etwas – beobachtete ihn, so hatte er zumindest das Gefühl.
Heute sollte tatsächlich alles anders werden. Es drangen plötzlich unbekannte, schwer bewaffnete Männer in das Laborgebäude ein. Ein Feuergefecht mit dem Sicherheitspersonal entbrannte. Dr. Eisenstadt, der sich im Labor befand, lauschte ungläubig dem Chaos mit Entsetzen.
Dr. Eisenstadt zuckte zusammen, als die ersten Schüsse nah an seinem Labor hallten.
Panik füllte seine Lunge, während er die Explosionen und das Rattern von Maschinengewehren hörte. Das Chaos brach aus, wie ein Tsunami, der alles in seinem Weg mitriss.
Im Labor flackerten die Lichter, und die Monitore zeigten nur noch statisches Rauschen.
Seine Messungen zeigten plötzlich wieder nur das alte Muster, das Muster der Fehlschläge. Enttäuschung breitete sich in seinem Gesicht aus. Warum heute, warum jetzt! Ich stand so kurz davor, wimmerte er verzweifelt. Solange hatte er für diesen Tag geforscht. Als aber die Schussgeräusche immer näher kamen, die Stimmen und Schreie immer lauter zu hören waren, fasste sich Dr. Eisenstadt wieder und versuchte verzweifelt, die Sicherheitskameras vor seinem Labor zu aktivieren, um zu sehen, was draußen vor sich ging, aber das System war ausgefallen.
Dumpfe Schreie und das Heulen von Sirenen drangen durch die dicken Wände des Labors. Dr. Eisenstadt wusste, dass er handeln musste, aber er war wie gelähmt, gefangen in einem Albtraum, aus dem er nicht erwachen konnte.
Dann krachte die Tür zum Labor auf. Eine rund 5 cm dicke Sicherheitstür wurde aufgesprengt. Ein schwer bewaffneter Mann in schwarzer Uniform stürmte herein, sein Gewehr auf Dr. Eisenstadt gerichtet.
"Dr. Eisenstadt?", brüllte der Mann mit befremdlicher Stimme. "Sie kommen mit uns!"
Dr. Eisenstadt hob zitternd die Hände. "Was ist hier los? Wer sind Sie?"
"Keine Zeit für Fragen!", schrie der Mann. "Bewegen Sie sich!"
Dr. Eisenstadt wurde aus dem Labor gezerrt, hinaus in den Korridor, wo ein Kugelhagel die Luft förmlich zerriss. Soldaten kämpften gegeneinander, ein verzweifeltes Ringen auf Leben und Tod.
Dr. Eisenstadt duckte sich hinter einem Stapel Metallkisten, versuchte so den Kugeln zu entkommen. In den Metallkisten lagerte hochenergetische Brennstoffzellen, um den Quantenpartikelraumextraktor zu betreiben. Glassplitter von zerschossenen Fenstern flogen wuchtig durch den Korridor und bohrten sich in seine Haut. Blut rann ihm über die Stirn.
Dr. Eisenstadt presste sich die zitternde Hand gegen die blutende Wunde an seiner Stirn. Der Angreifer, der ihn aus dem Labor gezerrt hatte, lag regungslos neben ihm, ein roter Fleck auf seinem schwarzen Kampfanzug. Dr. Eisenstadts Blick wanderte über die Szenerie des Grauens: zerstörte Geräte, blutverschmierte Böden, ohrenbetäubender Lärm. Panik stieg in ihm auf, doch er zwang sich zur Ruhe. Er musste einen sicheren Ort finden, um zu überleben und zu verstehen, was zum Teufel hier vor sich ging.
Seine Schritte hallten im leeren Korridor wider, vermischt mit der Geräuschkulisse des Gefechts, während er auf den Laborraum mit dem Quantenpartikelraumextraktor zusteuerte. In diesem abgeschirmten Labor würde er hoffentlich Schutz finden und einen Überblick über die Situation gewinnen. Die Erinnerungen an die vergangenen Minuten brannten sich in sein Gedächtnis: die Explosionen, die Schreie, die kalte, raue Stimme des Mannes der ihn bedroht hatte. Was war ihr Ziel? Wollten sie die Technologie stehlen, ihn entführen oder das Labor mit allen Aufzeichnungen zerstören?
Dr. Eisenstadt erreichte die Sicherheitstür zum Hochenergetik-Quanten-Labor und zückte seine ID-Karte. Ein kurzes Zischen, und die Tür öffnete sich mit einem sanften Klicken. Er trat ein und schloss die Tür hinter sich ab. Stille umhüllte ihn, ein erholsamer Kontrast zum Chaos draußen. Nur mehr dumpf hörte er noch Schüsse und vereinzeltes Gebrüll.
Seine Augen wanderten zur Hochenergetik-Quantenmaschine, dem Quantenpartikelraumextraktor. Sie pulsierte leise vor Energie, ein schimmerndes Ungetüm im Halbdunkel des Labors. Dr. Eisenstadt verfluchte seine eigene Nachlässigkeit. In der Panik hatte er vergessen, die Maschine abzuschalten. Was, wenn ein Fremdkörper in den Quantenpartikelraumextraktor gelangte? Unvorhersehbare Folgen, eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, würde tausende von Menschen bedrohen.
Mit klammen Fingern griff er nach dem Steuerpult. Ein kalter Schweißfilm bedeckte seine Stirn. Er musste die Maschine abschalten, bevor es zu spät war. Doch sein Blick fiel auf ein blinkendes Symbol auf dem Display. Eine neue Nachricht “Verbindung zum Paralleluniversum erfolgreich hergestellt”. Die Messungen, Sie zeigen eine Verbindung zu einem anderen Universum!
Dr. Eisenstadt war erstarrt, übermannt von Erfolgsgefühlen und Freude.
In diesem Moment war er nicht nur Wissenschaftler, sondern ein Mensch, der einen lang ersehnten Wunsch erfüllt bekommt. In diesem Moment vergaß er all die Gefahren um ihn herum, die Angreifer, das Chaos, die Getöteten, und die Gefahr welche im Moment von der Maschine ausgeht, sollte durch die Angreifer oder durch eine Explosion Fremdkörper in die Maschine gelangen. Er müsste nur einen Notaus drücken, um die Maschine und damit die Gefahr zu stoppen.
Aber er konnte sich nicht fassen und war in diesem Moment gefangen in seinen Gedanken, was dies für ihn, für die Wissenschaft, und für die Welt bedeuten könnte.
Die Eingangstür öffnete sich. Mehrere schwarz gekleidete Soldaten stürmten in den Raum und nahmen Dr. Eisenstadt ins Visier. Er war so in seinen Gedanken gefangen, so versunken in der Analyse der mysteriösen Datenstrukturen am Display, dass er die Angreifer nicht bemerkt hatte, bis es zu spät war. Ein lautes Krachen zerriss die Stille, als einer der Soldaten versehentlich ein empfindliches Instrument umstieß.
Dr. Eisenstadt duckte sich reflexartig hinter dem Schaltpult, um Deckung zu finden. Kugeln pfiffen über seinen Kopf hinweg, zerschmetterten Geräte und bohrten sich in die Wände. Ein Querschläger traf den Quantenpartikelraumextraktor mit einem grellen Blitz.
Eine zeitlich verzögerte Schockwelle durchzuckte den Raum, begleitet von einem ohrenbetäubenden Knall. Funken sprühten, Lichtblitze erhellten den Raum in einem stroboskopischen Inferno. Seltsame, glitzernde Partikel wirbelten durch die Luft, wie Diamantenstaub in einem Sonnenstrahl.
Dr. Eisenstadt spürte einen brennenden Schmerz in seiner Brust. Mehrere Kugeln hatten ihn getroffen. Die Welt um ihn herum begann zu schwanken, die Geräusche verschmolzen zu einem unentwirrbaren Chaos. Dunkelheit breitete sich vor seinen Augen aus, alles wurde still.
Ein letztes Geräusch nahm er wahr, eine massive Explosion, die den Raum erschütterte und alles in gleißendes Weiß tauchte. Dann Stille und absolute Dunkelheit.
Nach ein paar Sekunden in der Dunkelheit hörte er weit entfernte Stimmen, die immer näher kamen.
Sie klangen friedvoll, melodisch, aber gleichzeitig voller Verwunderung.
"Oje, was ist hier geschehen?
Menschen haben ihre Welt verlassen und sind in ein anderes gereist.
Das sollte eigentlich nicht passieren.
Aber wie?
Hier ist noch ein Mensch, aber doch …. nicht ganz,.... anders,
beinahe wie wir…. er hat sich mit unserem Blut vermischt.
Wie ist das nur möglich?
Was machen wir nun?
Wir werden ihn auch in die andere Welt schicken müssen.
Das trifft sich gut.
Er könnte dieser einen Welt helfen ins Gleichgewicht zurück zu finden.
Diese Welt wurde ja durch eine andere Anomalie ins Unglück gestürzt.
Wir hoffen das hat keine negativen Folgen, für die anderen Welten, wir hoffen diese Welt kann durch ihn geheilt werden."
Dr. Eisenstadt versuchte, seinen Blick zu fokussieren. Vor ihm stand eine Gruppe von Wesen, die er nie zuvor gesehen hatte. Sie waren wie funkelnde Sterne mit kleinen verzerrten Körper, welche wie schwebende Wassertropfen wirkten, gehüllt in einem tiefen blau schimmernden Licht. Ihre Bewegungen waren anmutig und fließend.
"Wo bin ich?", fragte Dr. Eisenstadt mit brüchig verzerrter Stimme. "Wer seid ihr?"
Eines der Wesen trat vor. "Wir sind die Hüter des Quantenraums", sagte es mit sanfter Stimme. Jedes Mal wenn eines der Wesen sprach, bewegten Sie sich wie TikTaks hin und her, als würden Sie an einer Stelle verschwinden, um im gleichen Moment an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen.
"Du hast die Grenze zwischen den Welten durchbrochen, und nun bist du für den Moment hier, zwischen zwei Sub-Welten gefangen."
Dr. Eisenstadt versuchte zu begreifen, was ihm die Wesen erzählten.
Er, in einem Quantenraum? "Wie kann das sein?", fragte er aufgebracht.
"Wir können es uns selber nicht erklären, wie dies geschehen konnte", sagte das Wesen.
"Aber wir müssen dich nun fortschicken in eine andere Sub-Welt.
Es ist nicht deine Welt.
Der Weg zurück in deine alte Welt ist für dich bereits verschlossen.
Dein Körper, er ist bereits gestorben.
Der Zugang zu einer anderen Welt wurde aber für dich geöffnet.
Andere Wesen aus deiner Welt sind bereits dorthin gereist.
Du wirst ihnen folgen.
Du musst uns nun verlassen, um Ordnung wiederherzustellen.
Du bekommst einen anderen Körper in dieser Sub-Welt.
Wisse, du trägst nun unser Blut in dir.
Von nun kannst du mit uns kommunizieren.
Wir werden dir helfen."
Dr. Eisenstadt spürte Panik in ihm aufsteigen. "Gestorben, kein Zurück? Aber ich kann doch nicht einfach so gestorben sein! Ich habe noch so viel zu tun! Ich habe eben meine so lang ersehnte Entdeckung gemacht!"
"Du wirst deine Arbeit fortsetzen können", sagte das Wesen. "Aber in einer anderen Sub-Welt und du selbst als Teil deiner eigenen Forschung. Wir werden dich leiten.”
Dr. Eisenstadt schloss die Augen. Er spürte, wie die Wesen ihn umhüllten, wie ihre Energie ihn durchströmte.
Dann war es wieder dunkel und still.
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